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Riester hatte in 24 Jahren einen Konstruktionsfehler: Die Beitragsgarantie zwang Anbieter, einen großen Teil des Geldes sicher und damit fast renditelos anzulegen. Hohe Kosten kamen dazu. Das Altersvorsorgedepot räumt damit auf. Ab dem 1. Januar 2027 fördert der Staat erstmals ein Depot, das direkt in Fonds und ETFs investiert — ohne Garantiezwang.
Das klingt nach einer klaren Verbesserung, und für viele ist es eine. Aber nicht für jeden. Und es gibt eine Frage, die in den meisten Erklärungen fehlt: Was passiert mit diesem Geld, wenn die Börse genau dann fällt, wenn Sie es brauchen?
Das Altersvorsorgedepot in 60 Sekunden
- Start: 1. Januar 2027
- Anlage: Fonds und ETFs, keine Beitragsgarantie
- Grundzulage: 50 % auf die ersten 360 € im Jahr, 25 % auf den Teil bis 1.800 € — höchstens 540 € pro Jahr
- Kinderzulage: bis zu 300 € je Kind mit Kindergeldanspruch
- Berufseinsteiger-Bonus: einmalig 200 € für alle unter 25
- Mindestbeitrag: 120 € im Jahr (10 € im Monat), darunter keine Förderung
- Steuer: Beiträge und Zulagen sind als Sonderausgaben absetzbar; ist die Steuerersparnis höher als die Zulagen, erstattet das Finanzamt die Differenz
- Kosten: Für das staatliche Standarddepot gilt ein Kostendeckel von 1,0 % im Jahr. Frei gestaltete Depots haben keinen Deckel, müssen ihre Kosten aber ausweisen
- Auszahlung: Auszahlungsplan bis mindestens 85, lebenslange Rente oder Kombination mit bis zu 30 % Einmalbetrag
Was bringt die Förderung konkret?
Am meisten Förderung pro eingezahltem Euro bekommen kleine Beiträge und Familien. Wer 30 € im Monat einzahlt, bekommt 180 € Zulage — 50 % obendrauf. Bei 150 € im Monat ist die Grundzulage mit 540 € ausgeschöpft. Jedes Kind bringt bis zu 300 € dazu. Probieren Sie es selbst:
Förderrechner: Wie viel legt der Staat dazu?
- Ihr Eigenbeitrag im Jahr
- –
- Zulagen vom Staat ins Depot
- –
- Zusätzliche Steuererstattung
- –
- Förderung pro Jahr gesamt
- –
Vereinfachte Rechnung nach dem Altersvorsorgereformgesetz (Start 01.01.2027), ohne Soli und Kirchensteuer. Berufseinsteiger-Bonus einmalig im ersten Beitragsjahr.
Die Einzelheiten mit Rechenbeispielen stehen im Artikel Altersvorsorgedepot Förderung: So viel Zulage bekommen Sie.
Für wen sich das Altersvorsorgedepot lohnt
Eher ja:
- Sie haben noch keine private Altersvorsorge oder zahlen in einen teuren Vertrag, den Sie ohnehin überdenken wollten.
- Sie haben Kinder — die Kinderzulage macht das Depot für Familien außergewöhnlich attraktiv.
- Sie haben 15 Jahre oder mehr bis zur Rente. Dann haben Kursschwankungen Zeit, sich auszugleichen.
Genauer hinsehen:
- Sie haben einen älteren Riester- oder Rentenvertrag mit hohem Garantiezins. Verträge aus den 2000er-Jahren garantieren teils 2,25 % bis 3,25 %. Das gibt man nicht für eine Zulage auf, ohne nachzurechnen.
- Sie sind über 55 und haben nur noch wenige Jahre bis zum Rentenbeginn. Ein Depot ohne Garantie kann dann zur Falle werden — dazu gleich mehr.
- Sie zahlen in eine Fondspolice mit hohen laufenden Kosten. Hier kann der Wechsel sinnvoll sein, aber die Reihenfolge entscheidet: erst den bestehenden Vertrag prüfen, dann umschichten.
Genau diese Abwägung machen die meisten Vergleichsseiten nicht. Sie vergleichen Anbieter des neuen Depots — nicht das neue Depot mit dem, was Sie schon haben.
Der blinde Fleck: Kein Garantiezwang heißt auch keine Garantie
Der Wegfall der Garantie ist der Grund, warum das Altersvorsorgedepot mehr Rendite bringen kann. Er ist aber auch sein größtes Risiko. Solange Sie einzahlen, sind Crashs sogar hilfreich: Sie kaufen günstiger. Gefährlich wird es in den letzten Jahren vor und den ersten Jahren nach Rentenbeginn — wenn das Kapital am größten ist und Sie anfangen zu entnehmen.
Wer 2008 mit einem Aktienfonds in den Ruhestand ging, musste zusehen, wie fast die Hälfte des Kapitals verschwand — und hat gleichzeitig weiter entnommen. Was das in echten Zahlen bedeutet und wie man sich davor schützen kann, zeigen wir mit einer Rückrechnung auf echte Kurse im Artikel Altersvorsorgedepot und Crash kurz vor der Rente.
Standarddepot oder frei gestaltetes Depot?
Das Standarddepot ist die einfache Variante: gedeckelte Kosten von höchstens 1,0 % im Jahr, eine vorgegebene Anlagestrategie, wenig zu entscheiden. Für viele ist das eine gute Wahl.
Das frei gestaltete Depot lässt Ihnen die Fondsauswahl. Das bietet mehr Möglichkeiten, etwa eine regelbasierte Absicherung gegen große Kurseinbrüche. Es hat aber keinen gesetzlichen Kostendeckel. Achten Sie hier besonders auf die ausgewiesenen Effektivkosten.
Was Sie jetzt tun sollten
- Bestehende Verträge sammeln: Riester, Rentenversicherung, Lebensversicherung, Fondspolice, betriebliche Altersvorsorge.
- Prüfen, was sie wirklich bringen: Garantiezins, Kosten, Rückkaufswert.
- Dann entscheiden: Zusätzlich ins Altersvorsorgedepot, umschichten oder alles lassen, wie es ist.
Den zweiten Schritt können Sie hier kostenlos erledigen. Die Einschätzung zeigt Ihnen in wenigen Minuten, ob in Ihren bestehenden Verträgen Geld liegen bleibt — und ob das Altersvorsorgedepot für Sie die bessere Lösung wäre.
Häufige Fragen
Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot kann ab dem 1. Januar 2027 bespart werden. Grundlage ist das Altersvorsorgereformgesetz, das im Mai 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet wurde.
Wie hoch ist die Förderung im Altersvorsorgedepot?
Die Grundzulage beträgt 50 % auf die ersten 360 € Eigenbeitrag im Jahr und 25 % auf den Teil bis 1.800 €. Das ergibt höchstens 540 € im Jahr. Dazu kommen bis zu 300 € je Kind mit Kindergeldanspruch und einmalig 200 € für Berufseinsteiger unter 25. Je nach Steuersatz kann eine zusätzliche Steuererstattung hinzukommen.
Gibt es im Altersvorsorgedepot eine Garantie?
Nein. Anders als bei Riester gibt es keine Beitragsgarantie. Das Geld liegt in Fonds und ETFs und schwankt mit den Märkten. Das erhöht die Renditechance, macht aber das Risiko eines Kurseinbruchs kurz vor oder im Ruhestand zur zentralen Frage.
Kann ich meinen Riester-Vertrag in ein Altersvorsorgedepot wechseln?
Ein Wechsel bestehender Riester-Guthaben in die neue Förderung ist vorgesehen. Die technischen und steuerlichen Einzelheiten werden derzeit noch ausgestaltet. Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt stark vom Alter Ihres Vertrags ab — ältere Riester-Verträge haben teils Garantiezinsen, die man nicht leichtfertig aufgeben sollte.
Wie wird das Altersvorsorgedepot im Alter ausgezahlt?
Vorgesehen sind ein Auszahlungsplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr, eine lebenslange Rente oder eine Kombination mit bis zu 30 % Einmalauszahlung zu Rentenbeginn.
Quellen
- Altersvorsorgereformgesetz, BGBl. I 2026 Nr. 156 (verkündet 29.05.2026), Fassung der Beschlussempfehlung BT-Drs. 21/4996
- ING: Altersvorsorgedepot 2027 — Förderung & Regelungen im Überblick
- finanzen.net: Altersvorsorgedepot 2027