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Jeder, der Fonds besitzt, stellt sich diese Frage irgendwann — meist dann, wenn die Kurse gerade fallen und die Nachrichten schlecht sind. Genau dann ist sie am schwersten zu beantworten. Deshalb lohnt es sich, sie vorher zu klären: mit Zahlen statt mit Bauchgefühl.
Wie tief beliebte Fonds in echten Krisen gefallen sind
Die folgende Tabelle zeigt die meistgehaltenen deutschen Aktienfonds — UniGlobal, UniRak, Akkumula, DekaFonds und weitere — in drei Krisen. Jeweils zwei Zahlen: der Verlust ohne Absicherung und mit einer regelbasierten Absicherung durch STOP+GO.
| Fonds | Dotcom 2000–03 ohne / mit | Finanzkrise 2007–09 ohne / mit | Corona 2020 ohne / mit |
|---|---|---|---|
| UniGlobal | -54,4 %-27,2 % | -46,9 %-18,7 % | -33,1 %-33,1 % |
| UniRak | -34 %-9,2 % | -35,1 %-8,2 % | -24,9 %-24,9 % |
| DWS Akkumula | -51,7 %-31,3 % | -45,4 %-10,8 % | -29,6 %-29,6 % |
| DWS Vermögensbildungsfonds I | -55,4 %-35,3 % | -47,2 %-10 % | -29,5 %-29,5 % |
| DekaFonds CF | -67,3 %-46,4 % | -61,6 %-27,8 % | -41,3 %-41,3 % |
| AriDeka CF | -69,5 %-28,8 % | -60,1 %-10,9 % | -36,3 %-37 % |
| Templeton Growth (Euro) | -38 %-14,4 % | -54,6 %-22,5 % | -28,6 %-28,6 % |
| Fidelity European Growth | -41,4 %-20,6 % | -57,4 %-11,1 % | -37,8 %-37,8 % |
Rückrechnung auf echte Kurse, Verlust vom Beginn bis zum Ende des jeweiligen Krisenzeitraums. STOP+GO mit Standardeinstellung. Simulierte Wertentwicklung — frühere Ergebnisse sind kein verlässlicher Indikator für künftige. Datenquelle: FWW, Berechnung: STOP+GO IQ, Stand 01.10.2026.
Drei Dinge fallen auf:
- Auch gute Fonds verlieren in langen Krisen die Hälfte. Das sagt nichts über die Qualität des Fondsmanagements — so funktionieren Aktienmärkte.
- In der Finanzkrise 2008 hat die Absicherung den Verlust bei den meisten dieser Fonds auf weniger als die Hälfte begrenzt, oft auf ein Viertel. Im Dotcom-Crash war die Wirkung kleiner, aber ebenfalls deutlich.
- Im Corona-Crash 2020 gab es praktisch keinen Unterschied. Der Einbruch kam und ging innerhalb weniger Wochen — so schnell, dass eine Regel, die auf längere Abwärtsbewegungen reagiert, nichts ausrichten konnte.
Warum „einfach verkaufen“ so teuer ist
Wer im Crash verkauft, hat meist zwei Probleme. Erstens verkauft er nahe dem Tiefpunkt, weil die Angst dort am größten ist. Zweitens fehlt ihm ein Plan für den Wiedereinstieg — und die besten Börsentage liegen oft genau in den Wochen nach dem Tief. Wer sie verpasst, macht aus einem vorübergehenden Verlust einen dauerhaften.
Warum „einfach halten“ nicht immer reicht
Die klassische Antwort lautet: Wer lange genug durchhält, holt jeden Verlust wieder auf. Das stimmt — wenn man die Zeit hat. Nach dem Dotcom-Crash brauchten viele Aktienfonds mehr als zehn Jahre, um wieder auf den alten Höchststand zu kommen.
Für jemanden, der in fünf oder zehn Jahren in Rente geht oder bereits Geld entnimmt, ist das zu lang. Was ein Crash am Anfang des Ruhestands anrichtet, zeigt der Artikel Crash kurz vor der Rente mit einer echten Rückrechnung.
Die dritte Möglichkeit: behalten und absichern
Zwischen „alles verkaufen“ und „alles aussitzen“ gibt es einen dritten Weg: den Fonds behalten, aber vorher festlegen, ab welchem Verlust umgeschichtet und ab welchem Kurs wieder eingestiegen wird. Die Entscheidung fällt dann nicht im Moment der Angst, sondern nach einer Regel.
So arbeitet STOP+GO seit 2006, mit rund ein bis zwei Umschichtungen pro Jahr. Die Kehrseite gehört dazu: In kurzen, scharfen Einbrüchen wie 2020 oder in Seitwärtsphasen kann die Absicherung etwas kosten, weil man zu einem höheren Kurs wieder einsteigt. Und Kurslücken, etwa über ein Wochenende, lassen sich nicht ausschließen.
Fünf Fragen, bevor Sie entscheiden
1. Wann brauchen Sie das Geld? Mehr als 15 Jahre Zeit: Schwankungen sind verkraftbar. Weniger als zehn Jahre oder schon in der Entnahme: Ein Crash kann Ihren Plan gefährden.
2. Was kostet der Fonds? Die laufenden Kosten stehen im Basisinformationsblatt. Viele klassische Bank- und Sparkassenfonds kosten 1,2 bis 1,8 % im Jahr, breit streuende Indexfonds 0,1 bis 0,3 %.
3. Wann haben Sie gekauft? Für Anteile, die vor 2009 gekauft wurden, bleiben Gewinne bis Ende 2017 steuerfrei, und auf spätere Gewinne gibt es einen Freibetrag von 100.000 € pro Person. Ein Verkauf ist für die meisten Privatanleger damit steuerfrei — ein Wechsel kostet hier oft weniger, als man denkt.
4. Liegt der Fonds in einer Fondspolice oder im Depot? In einer Lebens- oder Rentenversicherung gelten andere Regeln: Fondswechsel innerhalb des Vertrags sind meist kostenlos und steuerfrei, eine Kündigung dagegen oft teuer. Mehr dazu im Artikel Behalten, beitragsfrei stellen oder kündigen?.
5. Wie viel Verlust halten Sie aus — wirklich? Nicht theoretisch, sondern wenn auf dem Depotauszug 40 % weniger stehen. Wer das ehrlich beantwortet, weiß meist, ob er eine Absicherung braucht.
Wie es weitergeht
Ob Ihre Fonds und Verträge zu Ihrem Ruhestand passen — und wie viel davon heute ungeschützt ist —, zeigt die kostenlose Analyse unten. Sie ist unabhängig von Fondsgesellschaften und Banken.
Häufige Fragen
Soll ich meine Fonds bei fallenden Kursen verkaufen?
Ein Verkauf aus Angst ist meist die teuerste Entscheidung: Wer im Tief verkauft, macht den Verlust endgültig und verpasst oft die Erholung. Wer dagegen nur abwartet, erlebt in langen Krisen wie 2000 bis 2003 oder 2008 Verluste von 50 % und mehr. Eine regelbasierte Absicherung mit festen Ausstiegs- und Wiedereinstiegsgrenzen nimmt die Entscheidung aus dem Bauch heraus.
Muss ich auf Fonds, die ich vor 2009 gekauft habe, Steuern zahlen, wenn ich verkaufe?
Kursgewinne bis Ende 2017 bleiben bei diesen bestandsgeschützten Alt-Anteilen steuerfrei. Gewinne ab dem 1. Januar 2018 sind steuerpflichtig, soweit sie einen Freibetrag von 100.000 € pro Person übersteigen. Für die meisten Privatanleger bleibt ein Verkauf damit steuerfrei — der Freibetrag muss aber in der Steuererklärung geltend gemacht werden.
Woran erkenne ich, ob mein Fonds zu teuer ist?
An den laufenden Kosten (TER bzw. Gesamtkostenquote) im Basisinformationsblatt. Viele klassische Aktienfonds von Banken und Sparkassen liegen bei 1,2 bis 1,8 % im Jahr, breit streuende Indexfonds bei 0,1 bis 0,3 %. Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt aber auch von Ausgabeaufschlag, Steuern und Ihrer Anlagedauer ab.
Wie funktioniert eine Absicherung mit STOP+GO?
Für jeden Fonds wird eine Verlustgrenze und eine Wiedereinstiegsgrenze festgelegt. Fällt der Kurs unter die Verlustgrenze, wird automatisch in einen Geldmarktfonds umgeschichtet; steigt er wieder über die Einstiegsgrenze, wird zurückgekauft — im Schnitt ein- bis zweimal im Jahr. In langen Krisen wie 2008 hat das Verluste deutlich begrenzt, in kurzen Einbrüchen wie 2020 praktisch nicht. Kurslücken können nicht ausgeschlossen werden.
Quellen
- Kursdaten: FWW Fundservices; Rückrechnung: STOP+GO IQ, The Engineers of Finance AG
- § 56 Abs. 6 InvStG — bestandsgeschützte Alt-Anteile, Freibetrag 100.000 €
- Finanztip: Investmentsteuerreform 2018