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Rund 14,6 Millionen Riester-Verträge gibt es in Deutschland. Viele davon werden seit Jahren bespart, ohne dass jemand nachgerechnet hat, was sie bringen. Mit dem Start des Altersvorsorgedepots am 1. Januar 2027 stellen sich viele Sparer deshalb eine Frage: Riester kündigen und neu anfangen?
Die kurze Antwort: Kündigen ist fast immer der teuerste Weg. Ab 2027 gibt es vier bessere – und einer davon ist kaum bekannt.
Was bei einer Kündigung passiert
Riester ist staatlich gefördert. Wer den Vertrag kündigt und sich das Geld auszahlen lässt, verwendet es aus Sicht des Gesetzes „förderschädlich“. Die Folgen stehen in § 93 des Einkommensteuergesetzes:
- Alle Zulagen gehen zurück an den Staat – Grundzulage und Kinderzulagen aller Jahre.
- Alle Steuervorteile gehen zurück, die Sie über die Zulagen hinaus durch den Sonderausgabenabzug erhalten haben.
- Die Erträge werden versteuert, also das, was der Vertrag über Ihre Einzahlungen und die Zulagen hinaus erwirtschaftet hat.
Dazu können Kosten des Anbieters kommen. Am Ende fehlt oft rund ein Drittel des Guthabens. Und die Förderung für die bisherigen Jahre ist endgültig verloren.
Ein Beispiel: Thomas Berger, 48
Thomas Berger ist angestellt und verdient 78.000 Euro im Jahr. Seit 2013 zahlt er 100 Euro im Monat in einen Riester-Fondssparplan. Eingezahlt hat er 15.600 Euro, der Vertrag ist heute 17.200 Euro wert. Viel gebracht hat er also nicht – Thomas denkt ans Kündigen.
Rechnet man es durch, bleiben ihm nach einer Kündigung gut 11.000 Euro. Rund 6.000 Euro gehen an den Staat zurück – mehr als ein Drittel seines Guthabens. Und weniger, als er selbst eingezahlt hat.
Mit dem Rechner sehen Sie, wie das bei Ihnen aussieht:
Riester-Check: Was bleibt bei Kündigung — und was bringt die neue Förderung?
Wenn Sie heute kündigen
- Vertragswert
- –
- Zulagen zurückzahlen
- –
- Steuervorteile zurückzahlen
- –
- Steuer auf den Ertrag
- –
- Es bleiben
- –
Wenn Sie stattdessen ab 2027 in die neue Förderung wechseln
| Pro Jahr | alte Förderung | neue Förderung |
|---|---|---|
| Zulage (fließt in den Vertrag) | – | – |
| zusätzliche Steuererstattung (aufs Konto) | – | – |
| Förderung gesamt | – | – |
Die Steuererstattung sinkt, wenn die Zulage steigt: Das Finanzamt rechnet die Zulage gegen (Günstigerprüfung). Vereinfachte Rechnung: gleicher Beitrag und gleiches Einkommen über die gesamte Laufzeit, Kinder ab 2008 geboren, ohne Ehegatten-Zulage, Soli und Kirchensteuer. Der Ertrag wird voll versteuert; bei Versicherungsverträgen kann nach 12 Jahren und ab 62 nur die Hälfte anfallen. Die genauen Beträge nennt Ihnen Ihr Anbieter bzw. die Zulagenstelle (ZfA).
Der zweite Teil des Rechners zeigt etwas Überraschendes. Thomas bekommt heute nur 109 Euro Zulage im Jahr, nicht die vollen 175 Euro. Der Grund: Für die volle Zulage müsste er 4 Prozent seines Vorjahreseinkommens einzahlen, höchstens 2.100 Euro und abzüglich der Zulage – bei ihm 1.925 Euro im Jahr. Er zahlt 1.200 Euro – also wird die Zulage anteilig gekürzt. Mit der neuen Förderung ab 2027 bekäme er für dieselben 1.200 Euro 390 Euro Zulage. Ohne zu kündigen.
Vier bessere Wege ab 2027
1. Weiterführen wie bisher
Für Riester-Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen werden, gilt Bestandsschutz. Sie können einfach weitermachen. Das ist sinnvoll, wenn Ihr Vertrag einen hohen Garantiezins hat – Rentenversicherungen aus den 2000er-Jahren garantieren teils 2,25 bis 3,25 Prozent – und die alte Förderung für Sie günstiger ist. Das ist vor allem bei Familien mit sehr kleinem Einkommen der Fall: Sie bekommen die vollen Zulagen schon für den Sockelbetrag von 60 Euro im Jahr.
2. Im alten Vertrag nur die Förderung wechseln
Der Weg, den kaum jemand kennt: Durch eine Erklärung gegenüber Ihrem Anbieter wechseln Sie nur in die neue steuerliche Förderung. Garantie, Fonds und alle anderen Konditionen Ihres Vertrags bleiben, wie sie sind. Ihr Anbieter muss dem nicht zustimmen.
Die neue Förderung ist einfacher: 50 Cent Zulage auf jeden Euro bis 360 Euro im Jahr, 25 Cent auf jeden weiteren Euro bis 1.800 Euro, dazu bis zu 300 Euro je Kind. Einen Mindesteigenbeitrag nach Einkommen gibt es nicht mehr. Davon profitieren vor allem Gutverdiener mit kleinen Riester-Beiträgen wie Thomas.
Wichtig: Ein Zurück in die alte Förderung ist danach nicht mehr möglich. Für Familien mit sehr kleinem Einkommen ist die alte Förderung oft günstiger: Dort gibt es die vollen Zulagen schon für den Sockelbetrag von 60 Euro im Jahr, die neue Förderung beginnt erst bei 120 Euro. Rechnen Sie es vorher aus.
3. In einen neuen Vertrag wechseln
Sie können Ihr Riester-Guthaben in einen neuen Altersvorsorgevertrag übertragen, ohne die bisherige Förderung zurückzuzahlen. Dabei entscheiden Sie sich für ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie oder ein Garantieprodukt mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie.
Das lohnt sich vor allem, wenn Ihr alter Vertrag teuer ist und kaum Ertrag bringt. Bedenken Sie aber zwei Dinge:
- Es können Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten anfallen. Lassen Sie sich diese vorher schriftlich nennen.
- Wer in ein Depot ohne Garantie wechselt, trägt das volle Risiko eines Börsencrashs – auch kurz vor der Rente. Was das bedeutet, lesen Sie in Altersvorsorgedepot ohne Garantie: Was passiert, wenn die Börse kurz vor der Rente fällt?
4. Ruhen lassen und zusätzlich neu beginnen
Jeder Riester-Vertrag muss es ermöglichen, die Beitragszahlung einzustellen. Das Guthaben bleibt mit der bisherigen Förderung stehen. Daneben können Sie einen neuen Vertrag zu den neuen Bedingungen abschließen. Der Bestandsschutz für den alten Vertrag endet dann allerdings – er läuft unter den neuen Regeln weiter.
Wann eine Kündigung trotzdem infrage kommt
Es gibt wenige Fälle, in denen die Kündigung vertretbar ist – etwa wenn Sie das Geld dringend brauchen und keine andere Reserve haben, oder wenn das Guthaben sehr klein ist und die Förderung kaum ins Gewicht fällt. Aber auch dann gilt: erst den genauen Auszahlungsbetrag beim Anbieter erfragen und mit den anderen Wegen vergleichen.
Die richtige Reihenfolge
- Unterlagen holen: die letzte Standmitteilung und die Bescheinigung über erhaltene Zulagen.
- Garantie und Kosten prüfen: Was garantiert der Vertrag, und was kostet er im Jahr?
- Förderung vergleichen: Bringt Ihnen die alte oder die neue Förderung mehr?
- Dann entscheiden: weiterführen, Förderung wechseln, übertragen oder ruhen lassen.
Die kostenlose Vertragsprüfung unten nimmt Ihnen die Schritte 2 und 3 ab. Alles Weitere zu bestehenden Verträgen lesen Sie auf der Hauptseite Verträge prüfen.
Häufige Fragen
Wie viel Geld bekomme ich zurück, wenn ich meine Riester-Rente kündige?
Ausgezahlt wird der Vertragswert abzüglich aller staatlichen Zulagen und der Steuervorteile, die Sie über die Jahre erhalten haben. Zusätzlich müssen Sie die Erträge versteuern. Je nach Einkommen, Laufzeit und Entwicklung des Vertrags verlieren Sie dadurch oft rund ein Drittel Ihres Guthabens. Dazu können Kosten des Anbieters kommen. Den genauen Betrag nennt Ihnen Ihr Anbieter.
Muss ich meinen Riester-Vertrag wegen der Reform 2027 kündigen?
Nein. Für Riester-Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, gilt Bestandsschutz. Sie können den Vertrag wie bisher weiterführen. Sie können aber auch nur die Förderung wechseln oder in einen neuen Vertrag übertragen, jeweils ohne Zulagen zurückzahlen zu müssen.
Kann ich meinen Riester-Vertrag in ein Altersvorsorgedepot übertragen?
Ja. Ab 2027 können Sie von einem bestehenden Riester-Vertrag in einen neuen Altersvorsorgevertrag wechseln, ohne Ihre bisherige Förderung zurückzuzahlen. Sie entscheiden sich dabei zwischen einem Altersvorsorgedepot ohne Garantie und einem Garantieprodukt. Es können Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten anfallen.
Kann ich im alten Riester-Vertrag bleiben und trotzdem die neue Förderung bekommen?
Ja. Durch eine Erklärung gegenüber Ihrem Anbieter wechseln Sie nur in die neue steuerliche Förderung, alle anderen Konditionen Ihres Vertrags bleiben. Dafür brauchen Sie keine Zustimmung des Anbieters. Ein Zurück in die alte Förderung ist danach nicht mehr möglich.
Was passiert, wenn ich meinen Riester-Vertrag ruhen lasse?
Sie zahlen keine Beiträge mehr, das Guthaben bleibt im Vertrag, und die bisherige Förderung bleibt erhalten. Jeder zertifizierte Vertrag muss das Ruhenlassen ermöglichen. Sie können daneben einen neuen Vertrag zu den neuen Förderbedingungen abschließen; der Bestandsschutz für den alten Vertrag endet dann.
Lohnt sich die Riester-Rente bei hohem Einkommen noch?
Bei hohem Einkommen ist der Mindesteigenbeitrag für die volle Zulage hoch – bis zu 2.100 Euro im Jahr einschließlich Zulagen. Wer weniger einzahlt, bekommt nur eine gekürzte Zulage. Die neue Förderung ab 2027 hängt nicht mehr vom Einkommen ab, sondern nur vom Beitrag. Gerade für Gutverdiener mit kleinen Riester-Beiträgen kann der Wechsel der Förderung deshalb deutlich mehr Zulage bringen.
Quellen
- Bundesministerium der Finanzen: Fragen und Antworten zur Reform der geförderten privaten Altersvorsorge (Stand 05.05.2026)
- § 93 EStG — Schädliche Verwendung
- § 86 EStG — Mindesteigenbeitrag
- Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA): Vertrag kündigen oder ruhen lassen
- Altersvorsorgereformgesetz, BGBl. I 2026 Nr. 156 (verkündet 29.05.2026)