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Für das Altersvorsorgedepot spricht vor allem eines: Ohne Garantiezwang kann das Geld vollständig in Aktienfonds arbeiten. Über 30 Jahre ist das ein großer Vorteil. Aber Altersvorsorge endet nicht am Tag des Rentenbeginns. Sie beginnt dort erst richtig — denn dann müssen Sie von diesem Geld leben.
Warum der Zeitpunkt wichtiger ist als die Rendite
Zwei Menschen mit gleichem Kapital und gleicher Durchschnittsrendite können im Ruhestand völlig unterschiedlich dastehen. Der Unterschied liegt in der Reihenfolge der Renditen.
Fällt der Markt in den ersten Jahren nach Rentenbeginn um 40 %, verkaufen Sie für Ihre monatliche Entnahme Fondsanteile zum Tiefstpreis. Diese Anteile fehlen, wenn der Markt sich erholt. Fachleute nennen das Rendite-Reihenfolge-Risiko. Für jemanden, der noch einzahlt, ist ein Crash eine Kaufgelegenheit. Für jemanden, der entnimmt, kann er den Ruhestand um Jahre verkürzen.
Die Rückrechnung: Ruhestand im Jahr 2000
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt eine Rückrechnung auf echte Kurse. Angenommen, jemand ging im Jahr 2000 mit 100.000 € in einem der meistgehaltenen deutschen Aktienfonds in den Ruhestand, dem UniGlobal von Union Investment. Er entnahm im ersten Jahr 4 % (4.000 €) und erhöhte die Entnahme danach jedes Jahr um 2 % für die Inflation.
- Ohne Absicherung: Kapital nach 26 Jahren aufgebraucht
- Mit STOP+GO: nach 27 Jahren noch 185,5 % des Startkapitals
Rückrechnung auf echte Kurse (Union Investment Privatfonds GmbH). Entnahme 4.000 € im ersten Jahr, danach jährlich um 2 % steigend. Simulierte Wertentwicklung — frühere Ergebnisse sind kein verlässlicher Indikator für künftige. Datenquelle: FWW, Berechnung: STOP+GO IQ, Stand 01.10.2026.
Ohne Absicherung trafen diesen Ruheständler gleich zu Beginn zwei der schwersten Crashs der Nachkriegszeit: das Platzen der Dotcom-Blase und wenige Jahre später die Finanzkrise. Nach 26 Jahren war das Kapital vollständig aufgebraucht — obwohl der Fonds langfristig gut gelaufen ist. Wer mit 65 in Rente ging, hätte mit 85, also genau zum Ende eines typischen Auszahlungsplans, nur noch gut ein Viertel seines Startkapitals gehabt.
Mit einer regelbasierten Absicherung hätte derselbe Ruheständler die beiden großen Einbrüche weitgehend umgangen. Sein Kapital wäre heute noch höher als am ersten Tag — nach mehr als 26 Jahren Entnahme.
Was die Absicherung in den einzelnen Krisen gebracht hätte
Eine Absicherung ist kein Allheilmittel. Das zeigt der Blick auf alle fünf großen Krisen seit 2000, wieder am Beispiel UniGlobal:
| Krise | ohne Absicherung | mit STOP+GO |
|---|---|---|
| Dotcom-Crash 2000–2003 | −54,4 % | −27,2 % |
| Finanzkrise 2007–2009 | −46,9 % | −18,7 % |
| Eurokrise 2011–2012 | −16,8 % | −19,6 % |
| Corona-Crash 2020 | −33,1 % | −33,1 % |
| Inflations-Crash 2022 | −18,1 % | −24,8 % |
In den langen, tiefen Krisen — 2000 und 2008 — hat die Absicherung den Verlust mehr als halbiert. Genau diese Krisen sind es, die einen Ruhestand ruinieren. In kurzen Einbrüchen wie 2020 und bei Seitwärtsphasen wie 2011 und 2022 hat sie nichts gebracht oder sogar etwas gekostet: Wer ausgestiegen ist, kam etwas teurer wieder hinein. Diese Kosten muss man kennen und bewusst in Kauf nehmen.
Drei Wege, sich vor dem Crash zur Rente zu schützen
1. Aktienanteil vor Rentenbeginn senken. Viele Anbieter schichten in den letzten zehn Jahren automatisch in Anleihen um. Das senkt das Risiko, aber auch die Rendite — und zwar dauerhaft, auch wenn gar kein Crash kommt.
2. Einen Geldpuffer halten. Wer zwei bis drei Jahre Entnahmen auf dem Tagesgeldkonto hat, muss im Crash keine Fondsanteile verkaufen. Das hilft bei kurzen Einbrüchen gut. Bei Krisen wie 2000 bis 2003, die drei Jahre dauerten, reicht der Puffer oft nicht.
3. Eine regelbasierte Absicherung. Unterschreitet der Fonds eine festgelegte Verlustgrenze, wird automatisch in einen Geldmarktfonds umgeschichtet; steigt er wieder über eine Einstiegsgrenze, wird zurückgekauft. Im Schnitt passiert das ein- bis zweimal im Jahr. So arbeitet die STOP+GO-Absicherung, die wir seit 2006 einsetzen. Ob sich eine solche Absicherung in einem Altersvorsorgedepot umsetzen lässt, hängt vom Anbieter und von der Depotform ab. Kurslücken, etwa über ein Wochenende, können auch damit nicht ausgeschlossen werden.
Was das für Ihre Entscheidung bedeutet
Das Altersvorsorgedepot ist eine gute Nachricht für alle, die noch lange einzahlen. Wer dagegen nur noch zehn oder fünfzehn Jahre bis zur Rente hat, sollte vor dem Abschluss eine Frage beantworten können: Wie viel von meinem Ruhestandskapital darf ein Crash kurz vor oder nach Rentenbeginn kosten?
Die kostenlose Analyse unten zeigt Ihnen, wie viel Ihrer bestehenden Vorsorge heute ungeschützt ist — und welche Möglichkeiten es gibt, das zu ändern. Alle Grundlagen zum neuen Depot stehen auf der Hauptseite Altersvorsorgedepot 2027.
Häufige Fragen
Kann ich im Altersvorsorgedepot Geld verlieren?
Ja. Das Altersvorsorgedepot hat keine Beitragsgarantie. Der Wert schwankt mit den Fonds und ETFs, in die es investiert. Über lange Zeiträume haben breit gestreute Aktienfonds Verluste in der Vergangenheit meist wieder aufgeholt — das gilt aber nicht zwingend, wenn Sie in der Verlustphase bereits Geld entnehmen.
Was ist das Rendite-Reihenfolge-Risiko?
Das Rendite-Reihenfolge-Risiko (englisch Sequence of Returns Risk) beschreibt, dass es nicht nur auf die durchschnittliche Rendite ankommt, sondern auf ihre Reihenfolge. Fällt der Markt in den ersten Jahren der Entnahme stark, müssen Sie zu niedrigen Kursen verkaufen. Das Kapital erholt sich danach schlechter oder gar nicht mehr.
Wie kann ich mein Altersvorsorgedepot gegen einen Crash absichern?
Übliche Wege sind: den Aktienanteil in den Jahren vor Rentenbeginn schrittweise senken, einen Geldpuffer für zwei bis drei Jahre Entnahmen halten oder eine regelbasierte Absicherung nutzen, die bei starken Kursverlusten automatisch in einen Geldmarktfonds umschichtet und bei Erholung wieder einsteigt. Jeder Weg hat Kosten: geringere Renditechance, Kapital, das nicht arbeitet, oder Fehlsignale in kurzen Crashs.
Quellen
- Altersvorsorgereformgesetz, BGBl. I 2026 Nr. 156 (verkündet 29.05.2026)
- Kursdaten: FWW Fundservices; Rückrechnung: STOP+GO IQ, The Engineers of Finance AG